Achtung, Katzenfänger! - Katze spurlos verschwunden.

„Kater, schwarz mit weißem Fleck am Hals seit zwei Tagen verschwunden. Wer hat ihn gesehen?“: Wenn die Katze nicht wie gewohnt nach Hause kommt, macht sich Panik breit. Immer wieder ist zu hören, Tierfänger würden gezielt auf Beutezug gehen. TIER.TV hat nachgefragt, was an den Gerüchten um Katzenfänger dran ist.

Rheumadecken, Pelzindustrie, Versuchslabore – verzweifelte Tierhalter, deren Katze entlaufen ist, kommen oft auf düstere Gedanken: Katzenfänger! Von getarnten Altkleidersammlern ist die Rede, von Katzen, deren Fell für Bekleidung oder Decken verwendet wird ist zu hören – doch diese grausamen Vermutungen konnten laut Deutschem Tierschutzbund e.V. bislang weder bewiesen noch widerlegt werden. Auch Andrea Thümmel von der Tierschutzorganisation TASSO e.V., dem europaweit größten Haustierregister, bestätigt, dass die polizeilichen Ermittlungen gegen Katzenfänger bisher immer ins Leere liefen. Dennoch halten sich die Gerüchte über professionelle Katzenfänger seit Jahrzehnten.

Was ist dran an den Gerüchten um Katzenfänger? 
Katzenfell – für Tierfreunde ein verstörender Fakt – wird gerne für Bekleidungszwecke verwendet. Doch dafür Hauskatzen aus Deutschland zu entführen wäre viel zu aufwendig – die Felle kommen hauptsächlich aus Asien. Auch wenn es inzwischen endlich ein Importverbot gibt: Wer ganz sicher gehen möchte, kein Katzenfell am Mantelkragen zu tragen, sollte konsequent auf Pelz verzichten!

Zum anderen geraten immer wieder Versuchslabore unter Verdacht, professionelle Katzenfänger zu beauftragen. Zwar setzen sich zahlreiche Tierschutzorganisationen seit vielen Jahren gegen Tierversuche ein, doch laut Deutschem Tierschutzgesetz ist diese Praxis leider erlaubt. Allerdings schreibt das Gesetz vor, für Versuchszwecke nur eigens gezüchtete Tiere zu verwenden. Gibt es aber vielleicht auch schwarze Schafe, die doch Katzenfänger beanspruchen? „Den Versuchsleitern kommt es darauf an, homogene Gruppen – also Katzen aus demselben Wurf – zu haben. Anders wären die Versuche nicht vergleichbar“, entkräftet Andrea Thümmel diese Vermutung die auf das Werk eines Katzenfängers hinweist.

Auch der Mythos von Katzenfängern, die als Altkleidersammler getarnt sind und die Tiere mit Sexualduftstoffen zu sich locken und dann in ihren Körben verschwinden lassen, ist laut der TASSO-Sprecherin nicht bewiesen: „Das wäre einfach unlogisch und mit viel zu viel Aufwand verbunden. Wenn man Katzen in großer Zahl fangen wollte, wäre dies z. B. in der Türkei mit den zahlreichen Straßenkatzen viel ‚effektiver’.“ Die Pressesprecherin vermutet, dass die Katzenfänger-Theorie eher Ausdruck der Verzweiflung sei – schließlich ist der Verlust eines Tieres ein hochemotionales Ereignis und die Katzenbesitzer suchen nach Erklärungen. 

Gegenstimme: Es gibt organisierte Katzenfänger!
Doch es gibt auch Kritiker, die professionelle Katzenfänger nicht ins Reich moderner Legenden abtun. Im Gegenteil: Viele private Tierfreunde halten dies für eine bundesweite Realität. Im Deutschen Tierschutzgesetz, § 9, heißt es: „Versuche an Tieren, die aus der Natur entnommen worden sind, dürfen nur durchgeführt werden, soweit Versuche an anderen Tieren für den verfolgten Zweck nicht ausreichen.“ Dieser Zusatz ist für eine engagierte Tierschützerin aus Bayern, die anonym bleiben möchte, geradezu ein Freibrief für Katzenfänger und Versuchstierhändler. „Diese Banden fangen ganz gezielt Hauskatzen und verkaufen die Tiere an Kliniken oder Forschungsinstitute“, so die Aktivistin, die sich seit vielen Jahren gegen Tierversuche, Katzenfänger und gegen Tierdiebstahl einsetzt. „In Einzelfällen konnte die Kripo erfolgreich ermitteln, oftmals lässt sich aber nichts nachweisen. Wir werden jedoch mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, an diesem beschämenden Thema dranbleiben und uns ganz vehement gegen Tierfänger einsetzen.“ Die Tierschützerin, die selbst insgesamt zehn Katzen verloren hat, rät zur Vorsicht: „Wir gehen davon aus, dass die Fänger mit Drahtschlingen und Fallen arbeiten. Die Tiere deshalb am besten in der Wohnung halten und keinesfalls über Nacht ins Freie lassen.“

Warum verschwinden so viele Katzen?
Bundesweit entlaufen pro Jahr rund 350.000 bis 400.000 Vierbeiner, die Mehrzahl davon sind Katzen. Beispielsweise in Berlin reißen jährlich rund 2.500 Miezen aus. Die Gründe dafür sind vielfältig. Vor allem im Frühjahr sind Katzen gerne länger unterwegs. Manchmal suchen sich die Samtpfoten auch ein neues Zuhause, denn im Gegensatz zu Hunden haben Katzen einen größeren Aktionsradius. Die Tiere lassen sich auch eine Weile von Fremden durchfüttern – und vielleicht behält man das zugelaufene Tier dann einfach. Auf der anderen Seite werden zahlreiche Katzen auch zum Verkehrsopfer – in vielen Fällen erfahren die Besitzer nie, was ihrem Tier zugestoßen ist. Und noch eine traurige Tatsache: In waldnahen Gebieten betrachten Jäger die Stubentiger oft als Freiwild. In der Jagdsaison 2008/2009 wurden allein in Nordrhein-Westfalen 128 Hunde und 11.385 Katzen „im Rahmen des Jagdschutzes“ erschossen. Tierschützer kritisieren diese Praxis schon lange. Dass sich regional immer wieder Vermisstmeldungen häufen, lässt sich laut einem Artikel in der Zeitschrift des Deutschen Tierschutzbundes („Du und das Tier“) am ehesten mit Tierquälern erklären. Dabei handelt es sich jedoch um Einzelfälle. Bei begründetem Verdacht über professionelle Katzenfänger: Sofort die Polizei einschalten!

Was kann ich tun, wenn meine Katze entläuft?
Zunächst sollte das Tier an allen denkbaren Orten gesucht werden. Vielleicht wurde die Mieze versehentlich im Keller eingesperrt? Oder sie hat sich in Nachbars Garage versteckt? Der nächste Schritt ist eine telefonische Vermisstmeldung bei TASSO oder beim Deutschen Haustierregister. Außerdem: Im Tierheim und beim Tierarzt nachfragen, vielleicht wurde die Katze bereits abgegeben. Eine Suchmeldung, die nach Rücksprache am Schwarzen Brett des Supermarkts oder in öffentlichen Einrichtungen geklebt wurde, kann mit etwas Glück ebenfalls zum Erfolg führen. Übrigens: Wildes Plakatieren kann mit Bußgeldern belegt werden. Zwar drücken viele Gemeinden ein Auge zu, aber besser ist, vorher beim Ordnungsamt nachzufragen. Nicht vergessen: Auf das Suchprofil gehören möglichst detaillierte Angaben über das Tier, ein Foto und die Kontaktdaten. Oftmals werden in diesen Vermisstenanzeigen auch Belohnungen ausgesetzt, davon rät TASSO jedoch ab. „Eine Geldsumme lockt im Zweifelsfall nur Erpresser an. Echte Tierfreunde geben die Katze auch ohne Gegenleistung beim Halter ab“, so Andrea Thümmel.

Falls der Verdacht aufkommt, das Tier könnte tatsächlich vom Katzenfänger gestohlen worden sein, sollte man die Polizei einschalten. Damit die Beamten der Strafanzeige nachgehen können, ist es wichtig möglichst genaue Angaben zum vermeintlichen Katzenfänger zu machen: Personenbeschreibung, Tag und Ort, Autokennzeichen – am besten alles gleich notieren.

Hilfe, Katzenfänger - wie kann ich vorbeugen? 
Die Katze sollte gechipt oder tätowiert sein. Es empfiehlt sich, diese Daten im Deutschen Haustierregister des Tierschutzbundes oder bei TASSO registrieren zu lassen. „Bei uns sind über fünf Millionen Tiere verzeichnet, davon sind gut die Hälfte Katzen. Jedes Jahr können wir 50.000 Hunde und Katzen ihren Haltern zurückgeben“, zieht Andrea Thümmel Bilanz. „Und die Erleichterung, wenn der Streuner wieder da ist, ist jedes Mal groß!“

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